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18:09

Brexit’s noch…?

Über den Brexit und was denn nun alles auf die Insel zukommt, wird bestimmt schon genug geschrieben. Kurz: Die Schotten werden sich abspalten und bei der EU bleiben, die Nordiren überlegen dasselbige, England wird ein „Tax Haven“ vor der Haustüre der EU und die Rechte wird versuchen, auf den Zug aufzuspringen und weitere Referenden starten – zumindest wird man es überall thematisieren. Die Wirtschaftsdaten werden ihnen bald Recht geben. Auf lange Sicht wird aber alles für alle schlechter. Insbesondere für die Briten selbst. So kurz nach einer Wirtschaftskrise ist das nicht der schönste Ausblick.brexit-1462470595lr3

Das ist aber nur ein Teil der Geschichte und wie ich finde, nicht der spannendste.

Denn obwohl es praktisch nirgends erbauliche Prognosen gibt, sind dennoch die Lösungsansätze völlig unterschiedliche. Die Einen meinen, es könne nur gemeinsam wieder zu Wohlstand und Stabilität kommen, über die Grenzen hinweg, die Anderen meinen, man müsse sich nun auf das Beherrschbare, die eigene Souveränität besinnen. Interessant ist, dass die Meinungen sich hier in etwa die Waage halten. Und wenn wir an äußerst knappe 50/50 Entscheidungen denken, fällt uns doch da bestimmt noch etwas anderes dazu ein….?

Interessant ist jedenfalls, dass die Wählerschicht der Brexitwähler mit der, die Hofer gewählt haben, praktisch ident ist. Wenn sie über 42, männlich, unterdurchschnittlich gebildet sind und dazu im ländlichen Raum wohnen, sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Ausstieg aus der EU bzw für Norbert Hofer. Wenn sie unter 42, weiblich, überdurchschnittlich gebildet und im urbanen Umfeld leben, sind sie ziemlich sicher für einen Verbleib und eine Reform der EU bzw Van der Bellen Wähler. Soweit so nichtssagend.

Es zieht sich aber offenbar ein Riss durch die Gesellschaft, der in etwa bei 42 Jahren festzumachen ist. Das fällt ziemlich genau in die Zeit, als das Internet begann unsere gesamte Gedankenwelt maßgeblich zu verändern. Als das Internet in der westlichen Welt verfügbar wurde, waren die „early adopter“ jedenfalls unter 30, viele waren noch beträchtlich jünger. Diese Menschen haben den Anschluss an das digitale Zeitalter geschafft und ich behaupte nun einfach, die aktuellen Konflikte sind Ausdruck dieses Paradigmenwechsels.

o11189Alles, was sich „digital native“ nennt, geht ohnehin davon aus, dass es wahrscheinlich keine staatliche Pension mehr geben wird und obwohl die Zeiten aller Voraussicht nach schlechter werden, haben diese Menschen dennoch oder gerade deswegen eine gemeinsame Gewissheit, nämlich dass es nur gemeinsam geschafft werden kann, die Probleme der Welt und somit auch die Probleme der eigenen Lebensrealität zu lösen oder zumindest abzufedern.

Es ist ein globales Denken, ein Weltbürgertum, was ja auch ziemlich einleuchtet, wenn man bedenkt, dass wohl so ziemlich jeder Freunde aus teils völlig anderen Ecken dieser Welt hat bzw in anderen Sprachen über Geschehnisse diskutiert und sich austauscht. Es sind diese frühen Erfahrungen, die einen ein Leben lang wissen lassen, dass die Menschen in anderen Ländern genau dieselben Probleme wie wir haben, dass auch sie mit der Politik, der Verteilung, dem Geld und der Karriere hadern und dass es keinen Sinn ergibt, dieselben Probleme immer wieder neu und von vorne lösen zu wollen.

Dem gegenüber steht eine desillusionierte, etwas müde und von Zukunfts- und Abstiegsängsten geplagte Schicht, die ihre besten Zeiten hinter sich sieht. Die um ihre Pension und den Frieden in der Welt bangt und deren Instinkte auf Altbewährtes verweisen. Und das ist für mich zutiefst verständlich, weil es nur zu menschlich ist.

Ich glaube dennoch, dass es der falsche Weg ist.

Es ist an der Zeit, dass wir darüber reden, wie wir, das sind jene die noch in Ausbildung sind und jene, die schon einige Zeit arbeiten, wie wir leben wollen. Wie wir unsere Gesellschaft und Gesellschaften einrichten wollen. Das Thema der Umverteilung ist hier bestimmt eines der wichtigsten. Auch in den USA gibt es einen Riss zwischen den Jungen, die hochverschuldet in ein Erwerbsleben starten müssen und den Alten, die am liebsten die Regierung komplett abschaffen möchten, weil sie ihre Rechte abhanden kommen sehen. Auch dort ist es vordergründig ein politischer Richtungsstreit, aber im Kern eine Frage von Demokratisierung und Umverteilung.

The Worship of Mammon The Worship of Mammon

Apropos Kern: Endlich wird auch in Österreich wieder über diese Fragen diskutiert. Warum kann man in Österreich mehr Geld mit Geld als mit Arbeit verdienen? Warum bleibt Vermögen über Generationen hinweg völlig leistungslos erhalten? Ist es überhaupt noch möglich ein bescheidenes Vermögen zu erarbeiten? Und was kann getan werden, um nicht zwischen den Rädern der Finanzspekulation und der Offshore-Produktion zerbröselt zu werden?

Der Brexit ist für wahr kein gutes Zeichen für die EU, aber ich appelliere: Lasst uns nicht vergessen, dass es hier um etwas Größeres geht. Es geht darum, dass wir den Schritt in eine neue Welt tun, dass wir mutig und über Grenzen hinweg die Systeme so verbessern und reformieren, dass sie den Menschen und dem Planeten dienen. Oder um es biblisch zu halten. Die Gier muss überwunden werden und mit ihr dieses unsägliche Wirtschaftssystem, dass Menschen in Angststarren versetzt, ihnen jede Hoffnung raubt und ganze Völker zu deren Nachteil gegeneinander ausspielt. Das ist der wahre Konflikt. Der Brexit ist nur ein weiterer Meilenstein. Wollen wir hoffen kein Dominostein. Wir sind jedenfalls gewarnt.

(desertrold, 24.06.)

Was die deutschen Kollegen dazu sagen LINK

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